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I
N S T R U M E N T E
Der Hit ist das Schlagen
"Komm, wir gehen BUM-BUM machen." So motivierte sich
die Berliner Gewerkschaftsjugend für den anstehenden Umzug. "Mal richtig
draufhauen" und "Alle zusammen" waren logische Sätze. Während
bei traditionellen Karnevals-Umzügen immer mehr Blasinstrumente besichtigt
werden können, ist die Trommel in Berlin das vorherrschende Instrument.
Wobei der eigentliche Marsch-Rythmus peinlich vermieden wird, was nicht nur
daran liegt, dass der Zug oft ins Stocken geriet. In Berlin gab es Rock- und Salsa-Rythmen.
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F
U S S V O L K Z U E R S T
African Drums im Original
Die schwarzafrikanische Enklave in Kreuzberg ist eine der
Gründungsgruppen, die diesen Umzug ins Leben rief. Die durchweg professionellen
Musiker zeigten dann auch einhörlich, was afrikanischer Beat ist und im
direkten Vergleich waren Sie den Weißen eindeutig überlegen.
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S
O Z I A L A M T
Dasitzen und nichtstun
Es gab auch Motiv-Wagen: hier eine Szene aus dem
Sozialamt in Kreuzberg. Der Sachbearbeiter sitzt da und schaut und
schaut. Nix passiert und die Ballone geben ein hübsches Bild ab.
Eine gelungene Satire.
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H
A U P T S A C H E K R A C H
Schlagbohrer auf Heizkörper
Die industrial music hält Einzug in den Umzug.
Schweres Gerät klopft auf Stahl, alles was irgendwie laute Laute
von sich geben kann, wird geoutet. Die Percussion-Gruppe der
Berliner Musikhochschule empfiehlt sich per Handy-Notfall-Nummer
für Einsätze speziell zum Mitmieter-Ärgern. Seien Sie froh,
dass Sie weit weg wohnen.
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U
M Z U G I S T D E M O
Deutlich politisch
Nicht nur der hohe Ausländeranteil in der
Bevölkerung prädestiniert Berlin für politische Forderungen
innerhalb eines Karneval-Umzuges: Die machen dort mit der
Integration ernst. So etwas gehört heutzutage einfach dazu und
die Streetworker aus Kreuzberg meinen es durchaus ernst. Sollte
mensch mal drüber nachdenken.
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L
O V E - P A R A D E
Auch die Clubs machen mit
Natürlich ist der Einfluss der Love-Parade in
Berlin deutlich spürbar: Teccno-Gedudel und FUN auf dem Wagen.
Aber auch im Wettstreit um die schärfste erotische Ausstrahlung
gewannen eindeutig die Brasilianerinnen.
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K
O S T Ü M E
Fantasie gegen Uniform
1:0
Während der Verkleidungsgrad des Publikums noch auf
spärlichen Niveaus dümpelt, zeigt die
Szene in Kreuzberg mit aufwendig angefertigten Fantasie-Kostümen
den Uniformierten in anderen Hochburgen den kreativen Stinkefinger.
Fast schon Rio-like, was da alles an einem vorbeitanzte.
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P
E R F O R M A N C E
Feuerspucken statt
Kamelle-Schmeissen
Give-Aways wurden keine verteilt. Erst recht nicht
geschmissen, wie auf anderen Umzügen üblich. Und auch Konfetti
oder Luftschlangen fanden keinen Einsatz. Was vielleicht auch
daran liegen könnte, dass die VeranstalterInnen des Berliner
Karnevals der Kulturen die anschließende Reinigung der Straßen
selbst bezahlen.
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S
I N K E N D E S G A R D E M A S S
Die "Kleinen" schlagen
zurück
Das preussische Gardemass von irgendwas über 1,90
m ist endgültig überwunden. In dieser Garde dürfen alle
mitgehen, und seien sie auch noch so klein. Da bekommen Sie halt
größere Kronen aufgesetzt. Eine peruanische Gruppe zeigte diesen
herrlichen Ansatz.
Übrigens: Dieses Jahr war das erste Mal auch
eine türkische Folklore-Truppe mit dabei. Die Kinder hatten
echten Spaß. Das schafft nur Berlin, oder haben Sie sowas schon
mal in Mainz oder Köln gesehen?
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2
0 e r J A H R E
Berliner Tango
Auch die Vergangenheit ist scheinbar anwesend: Eine
argentinische Tango-Schule präsentierte den "Tanz der
Liebe" in einem ins historische Berlin verlegten Bühnenbild
mit Strass und Haargelee, unverschmierten Parkbänkchen, Original
argentinischer Tageszeitung und Sonntagslaube auf einem
600-PS-Sattelschlepper mit angehängtem Tieflader. Die Tänzer und
Tänzerinnen waren viel besser in den Kurven als das mächtige
Gefährt.
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B E S U C H E R Z A H L E N
Trotz Regenschauern 300.000
Besucher
"Wir können es auch nur schätzen", sagte ein Polizei-Sprecher
auf dem Nachhauseweg aus dem Taxi-Radio, "aber wir denken,
dass es so um die 300.000 Besucher gab". Für den
ernstgemeinten Versuch, Fasching in den Sommer zu verlegen, weil
wir alle am Rosenmontag ja sowieso in Köln oder Mainz sind, haben
die Veranstalter und die beteiligten Gruppen meinen vollen
Respekt. Das scheint was zu werden. Nur die Bahn sollte endlich
mitziehen.
Text und Fotos: Manfred Baierl
eMail-Kontaktl
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